Rattenknochens junge Jahre

Alles über Rollenspiel und Fantasy - interessante Mitschnitte aus dem Spiel

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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Di 27. Apr 2010, 19:46

Vorsichtig wanderten die beiden durch die geisterhaft stillen Korridore der Universität. Rattenknochen machte sich einen Spaß und bemalte die Gesichter einiger der Zauberer, die wie zu Eis erstarrt rumstanden. Einem, den er ganz besonders nicht mochte zog er die Unterhose über den Kopf. Irgendwann kamen sie dann in die Kellergewölbe. Jarym schien den Weg zu kennen. Aber auch Rattenknochen
konnte den Weg leicht erraten, denn die Zeitverwerfungen wurden immer stärker, umso näher sie der Quelle kamen. Den Hut, den sie gebaut hatten hielten sie beide fest, er schien sie in ihrem Zeitrahmen zu halten, wie Rattenknochen vermutete.
Eine große Halle tat sich vor ihnen auf, in ihrer Mitte stand ein großer schwarzer Würfel und über diesem schwebte eine Bronzekugel von etwa zwei Metern Durchmesser. Die Kugel vibrierte und die Augen taten weh, wenn man sie anblickte. Das war der Ursprungsort der temporalen Anomalie und der seltsame Mann aus der Lagerhalle stand davor.
"Weg von der Maschine !", brüllte Jarym und versaute damit jedes Überraschungsmoment.
Doch ihr Gegner schien sie bereits zu erwarten, er drehte nur den Kopf, die Kaputze schlug zurück und Rattenknochen erschrak, als er das Gesicht des Fremden erblickte.
Ein Schalter wurde umgelegt, kurz glaubte Rattenknochen sich selbst zu sehen.
Dann blich die Welt aus... sie wurde weiß... und Rattenknochen fühlte sich schwerelos, als sich alles um ihn aufgelöst hatte.

Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Oder besser sie krochen... oder flogen... oder... wie fühlt man sich wenn man keine Zeit mehr hat. Also gar keine Zeit mehr. Wenn die Zeit aufgehört hat zu existieren. Wenn es keinen Abstand mehr zwischen zwei Herzschlägen oder zwei Gedanken gibt. Rattenknochen hatte Kopfschmerzen.

"Weisst zu zufällig, wie spät es ist ?", es war Jaryms Stimme, die da neben ihm erklang. Der junge Zauberer drehte sich und tatsächlich, da war der alte. Er war die ganze Zeit bei ihm gewesen und hatte, wie er den Hut nicht
los gelassen.
"Bitte was ?", war die einzige Antwort, die er raus brachte.
"Ach tut mir leid... ein kleiner Witz unter uns Zeitreisenden, weisst du. Der Humor liegt darin,
dass es hier gar keine... ach das verstehst du eh nicht... noch nicht."
Das musste Rattenknochen erst einmal verdauen, die Gedanken sickerten dann langsam (oder schnell, oder wie auch immer)
zu einer Erkenntnis.
"Dieser... Typ, der gerade die Zeit vernichtet hat... das war... ich ?"
Jarym nickte und sah ihn hoffnungsvoll an, ihn auffordernd noch mehr Schlüsse zu ziehen.
"Und... er kommt aus einer anderen Zeitlinie ?"
Wieder nickte Jarym.
"Dann bist du... bei allen Göttern... du bist... mein Stiefbruder ?"
Und Jarym bewies, dass man es trotz der Abwesenheit von Zeit hören kann, wenn jemand einem anderen auf den Hinterkopf klatscht (Physiker einer anderen Welt bauen für solche Erkentnisse riesige Metallröhren unter der Erde, wo sie kleine Dinge auf noch kleinere schießen).
"Du Blödkopf ! Ich bin auch du... natürlich ein paar Jahre später und in einer anderen Zeitlinie. Aber wir drei sind Rattenknochen. Und jetzt erzähle ich dir die ganze Sache, bevor du noch mehr
Unsinn von dir gibst...

Rattenknochen, dich wird jemand umbringen. Aber du bist in dieser Zeitlinie wichtig. Gerade in dem Moment, in dem du stirbst ist ein Knotenpunkt und wenn du dort aufhörst zu existieren gibt es mich nicht und alle anderen späteren Ausgaben von uns auch nicht. Zwei Personen wissen sonst noch davon. Ich... und er.
Ich habe es als erstes gesehen, obwohl ich weiter aus der Zukunft komme und habe mir zur Aufgabe gemacht unser Weiterbestehen zu sichern. Also habe ich dich kurz vor dem Tod ausgetauscht, oder besser eine andere Version von dir in diese Zeitlinie gebracht. Ich hatte ihn dazu ausersehen, bin in seine Zeitlinie gefahren und habe ihm geholfen den Hut zu bauen. Aber etwas ging schief, er hat etwas vergessen. Als er den Hut dann aufsetzte und ihn aktiviert hat ist etwas schreckliches passiert. Mit einem Mal hatte er Einblick in das Wissen über alle Zeitlinien, die Existieren. Davon ist er natürlich etwas bekloppt im Kopf geworden, du hast ihn ja gesehen. Er hat mich überwältigt, ich konnte ihm durch die Zeit
folgen und die meisten Schäden, die er anrichtete beheben. Aber dann fand er dich. Die letzte vom Hut noch unberührte Zeitlinie. Hier konnte er sein Werk vollenden. Denn er will uns alle töten. Alle Rattenknochens aller Zeitlinien, er will der einzige sein. Ich bin also zu dir gekommen, etwas vor ihm, in der Hoffnung einen Hut für dich zu bauen, der funktioniert. Aber das hat ja wohl nicht geklappt."

Eine Art peinliches Schweigen entwickelte sich, als die beiden sich anstarrten. Nach einer Weile (oder einer Ewigkeit) fasste der junge Rattenknochen den Mut etwas zu sagen.
"Sehe ich irgendwann wirklich so schrecklich alt aus ?"

(Fortsetzung folgt)
Man muss das Cremetörtchen essen, wenn es da ist !
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am So 2. Mai 2010, 19:28

Das gute daran, wenn es keine Zeit mehr gibt ist, dass man eine Menge Zeit hat einen Plan zu machen, wie man das Multiversum rettet. Das schlechte daran ist, dass man überhaupt keine Zeit hat.

"Wie funktioniert der Hut ?", fragte Rattenknochen, der jüngere.
"Ist ganz einfach. Er stellt ein eigenes Universum da. Es ist leer, also keine Sonnen, Monde oder Schildkröten. Aber es ist ganz praktisch, wenn man sich etwas... Zeit ausborgen oder los werden will. In einem Universum ist eine ganze Menge Zeit, weisst du ?"
"Und warum sind wir dann jetzt hier... sollten wir nicht weg sein, ich meine so ganz ohne Zeit ?"
"Wir fassen den Hut an, wir sind sozusagen mit seinem Universum zusammen, wie jemand,
der einen großen Ballon Luft hat und damit unter Wasser atmet. Nur, dass unser Ballon wirklich
sehr groß ist."
"Wie groß ?"
"Sehr groß !"
"Nein... ich meinte... könnten wir uns von dort nicht genug Zeit borgen, um hier etwas einsickern zu lassen,
dieses Universum zu füttern und ein paar Dinge zu... reparieren ?"
Auf dem Gesicht des alten breitete sich ein Grinsen aus.
"Ich war also damals schon nicht ganz dumm... das Problem ist nur, der Hut ist defekt, du hast ihn
nicht richtig gebaut."
Beide blickten gleichzeitig auf die Kopfbedeckung.
"Woher willst du das wissen. Das war nur in dieser einen Zeitlinie so... vielleicht habe ich ja..."
"Rattenknochen, das ist viel zu riskant. Du kannst nicht einfach so auf gut Glück, dass du nicht
so blöd bist wie du den Hut benutzen ! Ich meine, wenn du nur eine Schraube vergessen hast hören wir beide auf zu Existieren und dann ist wirklich Feierabend !"
Der junge Rattenknochen grinste verwegen, "ich werde nie so wie du, alter Mann. Man muss Risiken eingehen !"
Und schon hatte er sich den Hut auf den Kopf gesetzt. Es blitzte, es funkelte und irgendwo schien ein Universum mit einem seltsam saugenden Geräusch einen Tropfen Zeit zu bekommen.

Ein Schalter war gerade dabei umgelegt zu werden, als ein junger Rattenknochen sich auf den
irren in der Kutte schmiss und ihn zu Boden drückte. Da staunte der junge Rattenknochen nicht schlecht, denn er war gerade erst angekommen und sah sich selbst mit dem bösen am Boden ringen.
Auch ein zweiter alter Rattenknochen stand da und schlurfte jetzt auf die beiden zu.
Der erste alte Rattenknochen begrüßte den zweiten.
"Grüße aus der Zukunft... ihr habt es nicht geschafft oder besser werdet es nicht schaffen... wir sind der zweite Versuch."
Die beiden alten Herren drehten sich eine Kippe.
Der Irre Rattenknochen schien kräftiger als der junge zweite Versuch Rattenknochen zu sein, denn er schien langsam zu gewinnen. Doch da erschien... noch ein junger Rattenknochen und stürzte sich auf die beiden. Anscheinend
gab es auch einen dritten Versuch. Alter Rattenknochen Nummer 3 gesellte sich zu dem anderen, er lehnte eine Kippe ab, denn er hatte gerade erst eine.
Rattenknochen war verwirrt. Aber irgendwie blickte er doch durch. Wortlos zog er sich seinen Schuh aus, humpelte zum Handgemenge und zog dem irren die Schuhsohle über den Hinterkopf, was ihn ausschaltete.

Das ganze Treffen der Rattenknochens war natürlich äußerst unangenehm. Jeder wusste von jedem etwas, oder besser alles, was jemals peinlich gewesen war. Wobei die alten Ratteknochens sogar wussten, was den jüngeren mal peinlich sein wird.
Darum hatten sie auch die Führung und alter Rattenknochen Nummer eins setzte sich als Anführer durch. Er hatte mehr Tabak.
"So, wir haben jetzt also sechs funktionierende Hüte, einen kaputten. Drei alte Ichs, zwei junge... und einen kaputten. Ich schlage vor, wir... nutzen unsere gemeinsame Kraft und erringen die Weltherrschaft !"
Die alten Rattenknochens stimmten ein, die jungen dagegen. Also gab es ein unentschieden und man musste sich etwas neues ausdenken.
"Also gut... dann kehren wir einfach wieder in unsere... halt ! Einer von den jungen muss mit dem sterbenden ausgetauscht werden."
Man beschloss Strohhalme zu ziehen, wer von den jungen gehen sollte, es war Nummer drei. Den irren Rattenknochen würden sie in seine Zeitlinie bringen, sollten sich doch die dort um ihn kümmern.
Nur ein Satz gaben die drei alten Rattenknochens dem dritten jungen mit.
"Halte dich von diesem zwiegeschlechtlichen Fechterschneider fern !", vielleicht hätten sie etwas präziser sein sollen.

Die Sonne schien in Ankh-Morpork und Rattenknochen spazierte über den Platz. Es war ein schöner Tag, denn er hatte frei. Zauberer wissen, wann sie sterben werden, er wusste es nicht. Denn er starb nicht, obwohl er starb.
Als sich das Messer durch seine Brust bohrte und er sein Leben aushauchte knirschte es in
der Raumzeit und Rattenknochen blickte sich in seiner neuen Zeitlinie um...

Ende (?)
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mo 17. Mai 2010, 11:59

Rattenknochen und der letzte Kreuzzug

Diese Geschichte spielt zur Zeit, als Rattenknochen noch Soldat in Borograwien war. Bevor er nach Ankh-Morpork kam und Zauberer wurde. In dieser Geschichte ist er Anfang zwanzig und noch nicht der gutaussehende Herzensbrecher, der her heute ist.

Der Verhörstuhl war unbequem. Noch unbequemer waren die Schläge ins Gesicht, vor allem, da sie schon damit fertig waren seine untere Körperhälfte zu bearbeiten.
"Woher kommtht du ?!", brüllte ihn die Stimme seines Peinigers an. Trotz allem fand Rattenknochen den Sprachfehler des Verhörmeisters lustig, was ihn immer wieder dazu brachte zu kichern. Aber vielleicht war es auch nur die Gehirnerschütterung.
"WOHER ?!", spuckte ihm der Sprachfehlermann nocheinmal entgegen.
"Aus... aus dem Land... der vollbusigen nymphomaninen, wo einem... jeder Wunsch... von
kleinen... fetten... geflügelten Eunuchen erfüllt wird...", kam die blutsabbernde Antwort (tatsächlich besuchte Rattenknochen eines Tages dieses Land, was er jetzt aber noch nicht wusste).
Der Peiniger stampfte wütend mit dem Fuß auf und ging in den Teil des Zeltes, der im Dunkeln lag und tuschelte etwas mit einer dort versteckten Person. Leider konnte Rattenknochen nichts verstehen, er war auch zu sehr damit beschäftigt mit der Zunge zu prüfen, welche seiner Zähne jetzt locker saßen und welche noch in Ordnung waren. Tatsächlich machte ihm der rechte untere Backenzahn Sorgen, der Verhörmeister hatte beim Schlagen irgendwie die Angewohnheit immer nach Rechts zu ziehen. Es dauerte nicht lange, da kamen beide, der Verhörmeister und der versteckte Offizier aus dem Schatten. Sie betrachteten den jungen Soldaten und verließen dann das Zelt.
Das gab Rattenknochen die Gelegenheit sich um zu sehen. Es gab nichts außergewöhnliches, solche Zelte hatte er schon oft gesehen. Manchmal als Gast, manchmal als Wache. Sie hatten ihm nie gefallen. Seltsamerweise waren Folterknechte äußerst pingelige, saubere Typen. Alle Folterinstrumente waren sauber und geputzt, als wenn das einen Unterschied machen würde und das Kohlebecken mit den glühenden Eisen stand dort, wo es auch noch eine angenehme Wärme spendete. Ja in diesem Zelt baumelte sogar ein kleiner Teekessel darüber. Jetzt fehlten nur noch die weißen Spitzendeckchen.
Es schien ihm eine Ewigkeit, da kamen wieder Leute ins Zelt, sie packten Rattenknochen, zerrten ihn vom Stuhl und schnallten ihn auf einen Holztisch, dann zogen sie ihm seine Stiefel aus.
"Tho ! Jetht wirtht du ganth thicher Thprechen !", versprach ihm sein Peiniger, den er aufgrund seiner momentanen Lage nicht sehen konnte. Er stand am Kopfende des Tisches, gab ein kurzes Kommando, die Soldaten, die Rattenknochen sehen konnte traten ehrfürchtig beiseite und... eine Ziege kam ins Zelt. Das Tier trug eine Uniform.
Rattenknochen schluckte, jeder weiss, das Ziegen die bösartigsten Tiere des Multiversums sind...

Fortsetzung folgt...
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am So 6. Jun 2010, 23:15

Diese Foltermethode war allgemein bekannt. Man streue dem zu Folternden Salz auf die nackten Füße und lasse eine Ziege daran lecken. Der Foltermeister übertrieb das ganze etwas.
Er befeuchtete die Füße des jungen Soldaten mit einer Art Bratensoße, streute dann Salz auf die Fußsohlen und steckte Schinken zwischen die Zehen und, als wenn das ganze nicht reichen würde, rieb er noch feinen Käse darüber.
"Thie mag Käthe", erklärte der Foltermeister grinsend und erwartete wohl sowas wie ein verständnisvolles Nicken von Rattenknochen.
Dann verließen alle, ausser der Ziege das Zelt.
"Wenn du unth thagen willtht, wath dein Auftrag war. Dann Threihe einfach".
Erst passierte nichts, die Ziege starrte nur die Füße an und Rattenknochen dachte sich, dass sie es vielleicht genauso lächerlich fand wie er.
"Weisst du... äh... du musst das nicht tun", redete er auf das Tier ein.
"Schmeckt auch nicht. Obwohl die Bratensoße gut riecht und der Schinken wirklich ausgezeichnet aussieht. Aber Käse ? Das passt doch nun wirklich nicht. Außerdem hab ich gehört Ziegen bekommen von Käse Verstopfung."
Die Ziege antwortete nicht.
Statt dessen machte sie sich ans Werk und leckte drauf los. Es war ein seltsames Gefühl, erst nicht unangenehm. Er war in den letzten Tagen schrecklich weit in sehr unbequemen Stiefeln gelaufen. Wenn er die Augen schloss konnte er sich fast vorstellen, dass da keine Ziege an seinen Füßen leckte, sondern eine gutaussehende... Plötzlich kitzelte es schrecklich und Rattenknochen öffnete die Augen. Die Ziege hatte ein Stück Schinken von seinem großen Zeh schnappt.
"Sei bitte etwas vorsichtiger ja ? Du hättest mir fast einen Zeh abgebissen !"
Die Ziege antwortete nicht.
"Ha... ich hätte niemals gedacht mal in so eine Lage... doch ja, eigentlich wars klar, dass ich mal in so eine Lage gerate."
Es wurde langsam unangenehm und Rattenknochen hoffte sich selbst damit ablenken zu können, wenn er mit der Ziege redete.
"Achja, mein Name ist Rattenknochen. Ich weiss, ist ein seltsamer Name, aber die Geschichte dazu ist wirklich witzig. Ich werde sie dir aber nicht erzählen.

Weisst du, ich werde dir einfach mal erzählen, warum ich Soldat geworden bin. Ich bin eins von 9 Kindern. Ich habe sieben ältere Brüder: Jakob, Hubert, Frederick, Schnippi, Alfred, Gunther und Rupert. Und ich habe eine jüngere Schwester, Roxana. Sie ist die einzige, die mir regelmäßig Briefe schreibt. Aber dazu hat sie auch Zeit, sie lebt in einem Kloster.
Meine Brüder schreiben mir nie, was vielleicht daran liegt, dass sie alle tot sind. Tja, der Krieg und so. Meine Eltern waren echte Patrioten. Mein Vater hat selber gedient, bis ihm ein Arm abhanden gekommen ist. Weil er seine Pflicht trotzdem erfüllen wollte sagte er sich: 'ach, dann setz ich eben möglichst viele neue Soldaten in die Welt'. Also wurden die Kinder nacheinander geboren und zur Armee geschickt, sobald sie alt genug waren. Als sie mich schicken wollten war ich sauer und wollte nicht. Weisst du, ich will eher ein ruhiges Leben, eine Familie gründen. Vielleicht ein Häuschen mit Vorgarten. Also bin ich aus Trotz von zu Hause weg gelaufen und zur Armee gegangen. Irgendwie bezweifle ich jetzt, dass das meine Eltern so getroffen hat, wie ich es beabsichtigt hatte.
Aber ich war noch jünger und das Abenteuer hat mich gelockt. Heroische Taten für Volk und Vaterland. Duelle ausfechten, eine Uniform und ein Hut mit Feder. Die Frauen stehen auf Hüte mit Federn.
Aber der Krieg sieht leider anders aus. Da kannst du mal ganz schnell heroisch drauf gehen, weil du im Schlamm, Dreck und der Scheiße deiner Kameraden stecken bleibst und dir die Lanze eines Feindes den Kopf vom Rumpf reisst. Keine schöne Vorstellung. Aber ich konnte mich um dieses Lanze-Kopf-Ding bis jetzt immer ganz gut drücken. Naja aber vielleicht landet man auch statt im Bett einer schönen Frau, die einem Soldaten was gutes tun will, bevor er in die Schlacht zieht... in einem Zelt mit einer Ziege, die einem die Füße ableckt. Hm... aber ist noch besser, als dann an irgendwas zu verrecken, was man sich bei der Frau eingefangen hat. Mein Freund Knalli ist so gestorben. Armer Kerl..."

Rattenknochen seufzte und dann bemerkte er, dass etwas anders war. Die Ziege schleckte nicht mehr an seinen Füßen. Sie war eingeschlafen...

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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Fr 11. Jun 2010, 01:05

Jetzt hatte Rattenknochen DIE Chance sich irgendwie zu befreien, er war allein im Zelt mit einer schlafenden Ziege. Wenn er ruhig bleiben würde könnte er sicher die Fesseln irgendwie lösen und sich hinaus schleichen.
Aber, er war viel zu beleidigt, dass das Tier dabei eingeschlafen war, als er die Geschichte seines überaus interessanten Lebens erzählt hatte.
"Hey ! Hey Ziege. Du schnarchst, du blödes Vieh !"
Die Ziege blinzelte, leckte sich mit der Zunge über das Maul und rappelte sich auf. In dem Moment fiel einer kleinen Stimme in Rattenknochens Kopf ein, wie blöd er doch war.
"Äh... du kannst ruhig weiter schlafen. Dein Schnarchen stört mich nicht."
Die seltsamen Ziegenaugen blickten ihn an.
"Määäh."
Rattenknochen blinzelte.
"Ich habe nie behauptet, dass ich besonders gut erzählen kann. Aber es gehört sich nicht ein zu schlafen, wenn jemand..."
"Määähh !"
"Ist mir doch egal ! Wie würde es dir gehen, wenn du mir dein Leben... erzählen... w..."
Die beiden starrten sich für einen Moment an und schwiegen.
"...Sag mal noch was..."
"Määh"
"Sehr witzig."
Sie starrten wieder.
"Warum zur Hölle kann ich-"
"-mäh !", fiel ihm die Ziege ins Wort.
"Genau das wollte ich sagen, du dummes Mistvieh ! Fall mir gefälligst nicht ins Wort."
Das ganze war für beide recht verwirrend. Rattenknochen hatte noch nie mit einer Ziege gesprochen und überlegte, ob er vielleicht durch die Folter schon wahnsinnig geworden war. Alles andere in seinem Kopf schien aber wie immer zu sein. Seine Gedanken fühlten sich wie immer an, wie ein großes Knäul aus rosa und hellblauer Zuckerwatte. Die Ziege schien mit der Situation auch überfordert. Sie hatte noch nie einen Menschen getroffen, der sie verstehen konnte. Nicht, dass sie ständig was sagen würde. Wie sollte sie jetzt weiter machen. Eigentlich bestand ihr Erfolg und ihre skrupellosigkeit beim Foltern darin, dass sie keinen persönlichen Bezug zum Opfer herstellen musste oder konnte. Das hier war, als wenn man einem Schwein, das der Sonntagsbraten werden sollte einen Namen gibt.
"Äh. Mein Name ist... Rattenknochen... ähm... wie heisst du denn ?"
Ziege rollte mit den Augen, jetzt hatte er auch noch einen Namen. Nein da konnte sie nicht weiter machen mit der Folter.
"Mäh."
"Oh, was für ein ausgefallener Name für eine Ziege ! Ich wusste nicht, dass Ziegen sich so schwungvolle... ach ist ja auch egal. Wie gehts jetzt weiter ?"
"Määh."
Der junge Soldat nickte langsam, irgendwie gewöhnte er sich schnell an die neue Situation. Ziege schien recht intelligent zu sein, nach ihrem Ausdruck und ihrer Wortwahl. Ausserdem stank sie nicht mehr, als seine Kameraden in seiner Truppe. Einige waren auch ähnlich stark behaart (im Krieg kommt man nicht oft dazu sich zu rasieren oder zu baden. Was vor allem die Läuse freut.).
"Das wäre nett. Aber was ist mit dir ?"
"Mähh."
Rattenknochen schüttelte den Kopf, wärend Ziege ihn von seinen Fesseln befreite.
"Nein, das kann ich nicht zulassen sie werden dich äh... schlachten oder so. Du kommst mit mir."
Vor dem Zelt raschelte es, der Foltermeister und seine Schergen würden wohl gleich das Zelt betreten. Ziege bewies, dass sie ein gutes Gebiss hatte und befreite Rattenknochen schnell. Doch es war schon zu spät, der Foltermeister trat ein.
"Wath itht denn hier loth ?!", quiekte er. Doch Rattenknochen war schon auf den Beinen, packte die Brenneisen, die sonst zum Foltern da waren. Am falschen Ende, Aua ! Griff sie richtig und ging auf seinen peiniger los, wärend Ziege zwei seiner Schergen in Schach hielt. Ein kurzes Handgemenge, einige Verbrennungen, Schnittwunden und ein verlorenes Auge später stand das Zelt in Flammen und das Heerlager des Feindes war in heller Aufregung.
Die beiden Brandstifter nutzten das Chaos, Rattenknochen schnappte sich einen Säbel, Ziege Rattenknochens Stiefel und sie flohen. Einen Feldposten überrannten sie einfach, erschlugen die überraschten Soldaten, dann verdrückten sie sich durchs Gebüsch in den nahen Wald...

Fortsetzung folgt...
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