Vielleicht gibt es noch jemanden, der sich an die Ereignisse vor einigen Jahren auf dem Platz erinnern kann, wahrscheinlich nicht. Hier ist die Geschichte von Rattenknochen und der Koboldprinzessin, wie ich sie mir gedacht habe, was aber so nie im RP ausgespielt wurde.
Märchen und Volkserzählungen entstehen, wenn jemand mit einem schlechten
Gedächniss eine Geschichte in der Taverne erzählt, die seinem Vetter zweiten
Grades passiert ist.
Dabei sollte man nicht annehmen Märchen, Volkserzählungen oder die Bücher
großer Religionen wären Lügen. Sie sind einfach nur verdrehte und falsch
wiedererzählte Augenzeugenberichte.
Manche dieser Geschichten werden vergessen, sie sind einfach zu langweilig,
andere gefallen und werden weiter erzählt. Dabei gibt es natürlich einige Unterschiede,
welche Märchen man wem erzählt. Kinder bekommen die Gutenachtgeschichten mit den
Hexen, die man im Ofen verbrennt, oder den Wölfen, denen man die Bäuche
aufschlitzt. Erwachsene Bevorzugen die Geschichten in denen gleich mehrere
Armeen abgeschlachtet werden und Schmuckstücke in feuerspuckende Berge geworfen werden.
Wie absurd manche Märchen seien mögen, es steckt doch immer ein winziger Hauch
Wahrheit in ihnen und wenn es die einfache Tatsache ist, dass Wölfe, Vulkane
und Hexen tatsächlich existieren.
Kundige Forscher der Märchen und Volkserzählungskunde wissen, dass es einige
Geschichten gibt, in denen Brunnen eine wichtige Rolle spielen.
Dort sollen sie ein Tor in eine andere Welt sein, voller Abenteuer und Gefahren.
Sie gehen davon aus, dass durch diese Geschichten Kinder abgehalten werden
sollen in Brunnen zu klettern. Was dem nachdenklichen Menschen natürlich
blödsinnig erscheint, denn welchem neugierigen Kind soll man erklären, dass
es nicht in eine Welt voller Abenteuer und Gefahren darf, aus dem alle
Helden auch noch wohlbehalten und reich hinaus kommen.
In dieser Geschichte, die natürlich absolut wahr und korrekt wiedererzählt wird,
soll ein junger Zauberer erfahren, dass am Ende eines Brunnens nichts erfreuliches wartet.
Der Tag begann garnicht schlecht und es war ein wundervolles Wetter, also beschloss
der junge Zauberer die Arbeit, Arbeit sein zu lassen... oder besser die Arbeit anderen
zu ÜBERlassen und begab sich in die Stadt. Es herrschte wie so oft ein reges
Treiben auf dem Marktplatz und aus unerfindlichen Gründen schien der Rand des Brunnens
eine wunderbare Sitzgelegenheit zu sein. Das sitzfleisch ausruhend und die Beine
baumelnd sah er sich um und beobachtete das Durcheinander, das sich in seiner Nähe
gebildet hatte und von einer streitenden Menge aus ging. Diese Menge, in der man
einige Arme, Beine und wütende Gesichter zählen konnte steuerte an ihm vorbei
und der junge Zauberer musste feststellen, dass sein spitzer Hut, großer Hut wohl nicht
spitz und groß genug war.
Er wurde angestoßen und fiel nach hinten, hinein in das finstere Loch des Brunnens...
Ein lautes Platsch, dann ein Gurgeln und das unangenehme Gefühl im tiefen Wasser eines Brunnens
zu versinken dominierten die Sinne von Rattenknochen. Panik kroch in ihm hoch, er strampelte
mit den Beinen, schluckte etwas vom Wasser,hustete und schluckte noch mehr. Als er sich
endlich erinnerte, dass er schwimmen konnte koordinierte er seine Gliedmaßen und schwamm
auf das Licht zu, dass er für den Brunnenschacht hielt. Tatsächlich aber befand sich dieses
Licht hinter ihm. Was dort vor ihm glitzerte war etwas anderes. Er schwamm, ruderte nach unten,
statt nach oben. Doch nach einer halben Ewigkeit, so schien es ihm wurde er schwächer,
die Lunge schmerzte, noch einmal ergriff ihn Panik, dann wurde langsam alles dunkel.
Erst der Blick, dann senkte sich die Dunkelheit über seinen Verstand.
Als die Dunkelheit sich wieder verzogen hatte wurde sie von etwas blauen, mit zwei weißen
Kugeln, in denen zwei zittrige schwarze Kugeln waren ersetzt.
Und irgendetwas schien ihn auf zu pusten. Die Synapsen in Rattenknochens Gehirn nahmen
wieder ihre Tätigkeit auf und er begriff, dass eine kleine, blaue, haarige Person
versuchte ihn auf zu pusten und möglichst viel Speichel dabei in ihn zu transferieren.
Nein... eine kleine, blaue, haarige Person versuchte ihn wohl wieder zu beleben.
Ein Husten, ein Spuckgeflex und ein verzogenes Gesicht später realisierte der junge Zauberer
seine Umgebung. Er befand sich eindeutig nicht unter freiem Himmel, denn es gab keinen
Himmel. Stattdessen einen seltsamen Nebel, der nur etwa zweihundert Meter über ihm waberte.
Er selbst lag auf einem weichen Moostepich, der den ganzen Boden bedeckte, so weit
er sehen konnte. Um ihn herrum wuchsen riesige Pilze und standen kleine, etwa einen halben Meter große
...Wesen. Sie waren blau, und starrten ihn stumm an.
Vielleicht waren es noch die Nachwirkungen des Sauerstoffverlustes, oder auch der Prügel,
der ihm über den Hinterkopf gezogen wurde, aber alles wurde wieder Schwarz.
Als er das nächste Mal aufwachte pulsierte ein pochender Schmerz in seinem Schädel. Langsam
öffnete er abermals die Augen und hoffte inständig nicht mehr in ein blaues Gesicht zu schauen. Vielleicht
hatte er am Abend zuvor einfach nur zu viel getrunken und alles war nur ein böser Traum.
Ja, so musste es gewesen sein. Er lag in einem weichen Bett. Es war etwas klein, wie er feststellte,
denn seine Knie hingen über die Bettkannte, aber es war ein Bett. Und in Betten fühlt man sich
für gewöhnlich wohl und sicher. Kurz genoss er dieses sichere Gefühl, bevor er sich umsah.
Es schien ein Schlafzimmer zu sein. Es gab einen großen Schrank, einen kleinen Schrank und
einen Nachttopf. Wahrscheilich hatte ihn jemand betrunken gefunden und aufgenommen.
Mühsam stand er auf, setzte sich seinen Hut auf, der neben ihm auf dem kleinen Schrank lag, streckte sich...
und stieß sich den Kopf an der Zimmerdecke. Er war wohl von einem Zwerg gerettet worden.
In seiner gebückt stehenden Position merkte er jetzt auch, dass die Möbel recht klein waren.
Er atmete tief durch und ging zur Tür des Zimmers. Weit kam er nicht, denn als er sich
bücken wollte um den Türgriff zu betätigen tat das genau im selben Moment jemand von der anderen Seite
und das schwere Holz wurde ihm an die Stirn geschlagen.
Alles wurde schwarz...
Nach seinem dritten Erwachen fand er sich wieder an einem anderen Ort wieder. Dieses Mal hatte er keine großen
Probleme die Umgebung zu identifizieren, denn überall sahen diese Art Etablissements gleich aus.
Dunkel, feucht, ein winziges Fenster und eine geschlossene Tür, alles vergittert. Nur dieses hier
war gerade so groß, dass er gebückt sitzen konnte. Und hier war es wirklich schrecklich dunkel,
denn sein Rücken, mit dem er an der Wand gegenüber der Tür saß verdeckte das einzige Fenster.
Er konnte sich nicht viel bewegen, wackelte mit den Zehen und schüttelte die Beine, als
sie ihm einschliefen. Zwei dicke Beulen am Kopf pochten unangenehm. Er seufzte und versuchte seine
Gedanken zu ordnen. In den Brunnen war er gefallen und dann... besonders beunruhigt war er nicht. Als
Zauberer hatte er schon seltsamere Dinge erlebt und nach seiner Erfahrung würde eh bald
jemand die Zellentür öffnen und ihm mitteilen, dass er zum Tode verurteilt war wegen soundso und demundem
und, dass er reden sollt oder dasunddas würde passieren.
Unter seinem rechten Bein fand er eine Schüssel mit einem großen Keks... wahrscheindlich
war es auch ein kleines, hartes Brot. Er gönnte sich den Happen, da ging auch schon die Tür auf
und ein typischer Wächter kam herrein. Vollkommen überlegen, die Zellenschlüssel unüberlegt
leichtsinntig am Gürtel, ein schiefes Grinsen, blauhäutig und etwa einen halben Meter groß.
Die letzten Beiden Punkte, treffen nur in diesem Fall zu.
"Hast Glück Riese... jemand hohes will dich sprechen... steh auf und komm raus, aber dalli dalli !"
Nach einigen Versuchen auf zu stehen gab Rattenknochen es auf und der Wächter gestattete es ihm hinaus zu
krabbeln.
Er folgte einer bewaffneten Eskorte durch die Gänge des Kerkers hinauf in eine Art Burg und weiter
in einen recht großen Raum, der wie die geschrumpfte Ausgabe eines Ballsaals aussah.
"Warte hier ja ? Und mach keine Dummheiten... meine Jungs und ich warten draussen...", der Wächter zog
ab und ließ Rattenknochen kurz allein. Noch hatte ihm niemand gesagt, dass er hingerichtet werden sollte,
das war aufmunternd.
Die Türen öffneten sich wieder und die Person, die nun eintrat war etwas besonderes, das merkte man sofort...
Fortsetzung folgt...
