Rattenknochens junge Jahre

Alles über Rollenspiel und Fantasy - interessante Mitschnitte aus dem Spiel

Moderatoren: Patrizier, Kleine Jiggit

Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mo 26. Okt 2009, 01:47

Vielleicht gibt es noch jemanden, der sich an die Ereignisse vor einigen Jahren auf dem Platz erinnern kann, wahrscheinlich nicht. Hier ist die Geschichte von Rattenknochen und der Koboldprinzessin, wie ich sie mir gedacht habe, was aber so nie im RP ausgespielt wurde.

Märchen und Volkserzählungen entstehen, wenn jemand mit einem schlechten
Gedächniss eine Geschichte in der Taverne erzählt, die seinem Vetter zweiten
Grades passiert ist.
Dabei sollte man nicht annehmen Märchen, Volkserzählungen oder die Bücher
großer Religionen wären Lügen. Sie sind einfach nur verdrehte und falsch
wiedererzählte Augenzeugenberichte.
Manche dieser Geschichten werden vergessen, sie sind einfach zu langweilig,
andere gefallen und werden weiter erzählt. Dabei gibt es natürlich einige Unterschiede,
welche Märchen man wem erzählt. Kinder bekommen die Gutenachtgeschichten mit den
Hexen, die man im Ofen verbrennt, oder den Wölfen, denen man die Bäuche
aufschlitzt. Erwachsene Bevorzugen die Geschichten in denen gleich mehrere
Armeen abgeschlachtet werden und Schmuckstücke in feuerspuckende Berge geworfen werden.
Wie absurd manche Märchen seien mögen, es steckt doch immer ein winziger Hauch
Wahrheit in ihnen und wenn es die einfache Tatsache ist, dass Wölfe, Vulkane
und Hexen tatsächlich existieren.

Kundige Forscher der Märchen und Volkserzählungskunde wissen, dass es einige
Geschichten gibt, in denen Brunnen eine wichtige Rolle spielen.
Dort sollen sie ein Tor in eine andere Welt sein, voller Abenteuer und Gefahren.
Sie gehen davon aus, dass durch diese Geschichten Kinder abgehalten werden
sollen in Brunnen zu klettern. Was dem nachdenklichen Menschen natürlich
blödsinnig erscheint, denn welchem neugierigen Kind soll man erklären, dass
es nicht in eine Welt voller Abenteuer und Gefahren darf, aus dem alle
Helden auch noch wohlbehalten und reich hinaus kommen.

In dieser Geschichte, die natürlich absolut wahr und korrekt wiedererzählt wird,
soll ein junger Zauberer erfahren, dass am Ende eines Brunnens nichts erfreuliches wartet.

Der Tag begann garnicht schlecht und es war ein wundervolles Wetter, also beschloss
der junge Zauberer die Arbeit, Arbeit sein zu lassen... oder besser die Arbeit anderen
zu ÜBERlassen und begab sich in die Stadt. Es herrschte wie so oft ein reges
Treiben auf dem Marktplatz und aus unerfindlichen Gründen schien der Rand des Brunnens
eine wunderbare Sitzgelegenheit zu sein. Das sitzfleisch ausruhend und die Beine
baumelnd sah er sich um und beobachtete das Durcheinander, das sich in seiner Nähe
gebildet hatte und von einer streitenden Menge aus ging. Diese Menge, in der man
einige Arme, Beine und wütende Gesichter zählen konnte steuerte an ihm vorbei
und der junge Zauberer musste feststellen, dass sein spitzer Hut, großer Hut wohl nicht
spitz und groß genug war.
Er wurde angestoßen und fiel nach hinten, hinein in das finstere Loch des Brunnens...

Ein lautes Platsch, dann ein Gurgeln und das unangenehme Gefühl im tiefen Wasser eines Brunnens
zu versinken dominierten die Sinne von Rattenknochen. Panik kroch in ihm hoch, er strampelte
mit den Beinen, schluckte etwas vom Wasser,hustete und schluckte noch mehr. Als er sich
endlich erinnerte, dass er schwimmen konnte koordinierte er seine Gliedmaßen und schwamm
auf das Licht zu, dass er für den Brunnenschacht hielt. Tatsächlich aber befand sich dieses
Licht hinter ihm. Was dort vor ihm glitzerte war etwas anderes. Er schwamm, ruderte nach unten,
statt nach oben. Doch nach einer halben Ewigkeit, so schien es ihm wurde er schwächer,
die Lunge schmerzte, noch einmal ergriff ihn Panik, dann wurde langsam alles dunkel.
Erst der Blick, dann senkte sich die Dunkelheit über seinen Verstand.
Als die Dunkelheit sich wieder verzogen hatte wurde sie von etwas blauen, mit zwei weißen
Kugeln, in denen zwei zittrige schwarze Kugeln waren ersetzt.
Und irgendetwas schien ihn auf zu pusten. Die Synapsen in Rattenknochens Gehirn nahmen
wieder ihre Tätigkeit auf und er begriff, dass eine kleine, blaue, haarige Person
versuchte ihn auf zu pusten und möglichst viel Speichel dabei in ihn zu transferieren.
Nein... eine kleine, blaue, haarige Person versuchte ihn wohl wieder zu beleben.
Ein Husten, ein Spuckgeflex und ein verzogenes Gesicht später realisierte der junge Zauberer
seine Umgebung. Er befand sich eindeutig nicht unter freiem Himmel, denn es gab keinen
Himmel. Stattdessen einen seltsamen Nebel, der nur etwa zweihundert Meter über ihm waberte.
Er selbst lag auf einem weichen Moostepich, der den ganzen Boden bedeckte, so weit
er sehen konnte. Um ihn herrum wuchsen riesige Pilze und standen kleine, etwa einen halben Meter große
...Wesen. Sie waren blau, und starrten ihn stumm an.
Vielleicht waren es noch die Nachwirkungen des Sauerstoffverlustes, oder auch der Prügel,
der ihm über den Hinterkopf gezogen wurde, aber alles wurde wieder Schwarz.

Als er das nächste Mal aufwachte pulsierte ein pochender Schmerz in seinem Schädel. Langsam
öffnete er abermals die Augen und hoffte inständig nicht mehr in ein blaues Gesicht zu schauen. Vielleicht
hatte er am Abend zuvor einfach nur zu viel getrunken und alles war nur ein böser Traum.
Ja, so musste es gewesen sein. Er lag in einem weichen Bett. Es war etwas klein, wie er feststellte,
denn seine Knie hingen über die Bettkannte, aber es war ein Bett. Und in Betten fühlt man sich
für gewöhnlich wohl und sicher. Kurz genoss er dieses sichere Gefühl, bevor er sich umsah.
Es schien ein Schlafzimmer zu sein. Es gab einen großen Schrank, einen kleinen Schrank und
einen Nachttopf. Wahrscheilich hatte ihn jemand betrunken gefunden und aufgenommen.
Mühsam stand er auf, setzte sich seinen Hut auf, der neben ihm auf dem kleinen Schrank lag, streckte sich...
und stieß sich den Kopf an der Zimmerdecke. Er war wohl von einem Zwerg gerettet worden.
In seiner gebückt stehenden Position merkte er jetzt auch, dass die Möbel recht klein waren.
Er atmete tief durch und ging zur Tür des Zimmers. Weit kam er nicht, denn als er sich
bücken wollte um den Türgriff zu betätigen tat das genau im selben Moment jemand von der anderen Seite
und das schwere Holz wurde ihm an die Stirn geschlagen.
Alles wurde schwarz...

Nach seinem dritten Erwachen fand er sich wieder an einem anderen Ort wieder. Dieses Mal hatte er keine großen
Probleme die Umgebung zu identifizieren, denn überall sahen diese Art Etablissements gleich aus.
Dunkel, feucht, ein winziges Fenster und eine geschlossene Tür, alles vergittert. Nur dieses hier
war gerade so groß, dass er gebückt sitzen konnte. Und hier war es wirklich schrecklich dunkel,
denn sein Rücken, mit dem er an der Wand gegenüber der Tür saß verdeckte das einzige Fenster.
Er konnte sich nicht viel bewegen, wackelte mit den Zehen und schüttelte die Beine, als
sie ihm einschliefen. Zwei dicke Beulen am Kopf pochten unangenehm. Er seufzte und versuchte seine
Gedanken zu ordnen. In den Brunnen war er gefallen und dann... besonders beunruhigt war er nicht. Als
Zauberer hatte er schon seltsamere Dinge erlebt und nach seiner Erfahrung würde eh bald
jemand die Zellentür öffnen und ihm mitteilen, dass er zum Tode verurteilt war wegen soundso und demundem
und, dass er reden sollt oder dasunddas würde passieren.
Unter seinem rechten Bein fand er eine Schüssel mit einem großen Keks... wahrscheindlich
war es auch ein kleines, hartes Brot. Er gönnte sich den Happen, da ging auch schon die Tür auf
und ein typischer Wächter kam herrein. Vollkommen überlegen, die Zellenschlüssel unüberlegt
leichtsinntig am Gürtel, ein schiefes Grinsen, blauhäutig und etwa einen halben Meter groß.
Die letzten Beiden Punkte, treffen nur in diesem Fall zu.
"Hast Glück Riese... jemand hohes will dich sprechen... steh auf und komm raus, aber dalli dalli !"
Nach einigen Versuchen auf zu stehen gab Rattenknochen es auf und der Wächter gestattete es ihm hinaus zu
krabbeln.
Er folgte einer bewaffneten Eskorte durch die Gänge des Kerkers hinauf in eine Art Burg und weiter
in einen recht großen Raum, der wie die geschrumpfte Ausgabe eines Ballsaals aussah.
"Warte hier ja ? Und mach keine Dummheiten... meine Jungs und ich warten draussen...", der Wächter zog
ab und ließ Rattenknochen kurz allein. Noch hatte ihm niemand gesagt, dass er hingerichtet werden sollte,
das war aufmunternd.
Die Türen öffneten sich wieder und die Person, die nun eintrat war etwas besonderes, das merkte man sofort...

Fortsetzung folgt...
Zuletzt geändert von Rattenknochen am Fr 13. Nov 2009, 00:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Fr 13. Nov 2009, 00:23

Hohe Herrschaften aus dem Adel haben die Angewohnheit ihre 'Wichtigkeit' durch ein besonderes Auftreten und
besondere Kleidung zu unterstreichen (was Attentätern die Arbeit leichter macht). Dabei könnte man denken,
dass in vielen Adelsfamilien irgendwo die eine oder ander Elster eingeheiratet hat.
Sie schmücken sich mit allerhand Edelmetall, Edelsteinen und großen bunten Federn. Jeder Pfau würde vor Scham eingehen.
Es gibt Länder, in denen riesige, gepuderte Perücken modern sind, die oft ein eigenes Ökosystem und mehrere
Staaten von Läusen behinhalten. Die Person, die jetzt vor Rattenknochen stand übertraf aber alles, was er
jemals gesehen hatte.
Sie ging ihm bis zur Brust, dank Schuhen, die jedem Fußorthopäden Albträume verpassen würden
und sie hatte es tatsächlich geschafft ihrer blauen Haut eine 'vornehme Blässe' zu verpassen.
Es mussten dutzende von Puder und Farbschichten aufgetragen worden sein, ein Malermeister für
schwierige Fassaden wäre neidisch geworden. Die knallroten Lippen und der pechschwarze, mistkäferblau
schimmernde Liedschatten verlieh dem Spruch 'zum Narren machen' eine ganz neue Bedeutung.
Dieses... Wesen... stöckelte nun mehr oder weniger elegant zum eher skeptisch dreinblickenden Zauberer
und musterte ihn mit einem Gesichtsausdruck, den man dank dieser grausigen Verkleidung nicht deuten konnte.
"Ich grüße dich Fremder", ihre Stimme klang wie ein sterbender Dudelsack.
"Äh..", Rattenknochen war noch überwältigt vom Aussehen der Frau vor ihm.
"Ich bin die Prinzessin der Kobolde, Tochter des Königs der Kobolde und du wirst mich mit 'Eure Hoheit' ansprechen."
"Äh... Eure Hoheit..."
"Ja genau. Du würdest jetzt noch im Kerker sitzen, wenn ich nicht Interesse an dir gezeigt hätte und
neugierig gewesen wäre auf dich..."
"Eure Hoheit ich da-"
"...und wenn ich mir jetzt so ansehe, was ich vor mir habe muss ich sagen, ich bin nicht enttäuscht.
Du bist würdig und ich erwähle dich."
Und gerade als Rattenknochen den Mund auf machen wollte um zu fragen, 'für was erwählt', kam auch nur
ein Keuchen aus ihm raus. Die Koboldprinzessin hatte ihm mit der stark beringten rechten Faust
einen kräftigen Schlag in die Leistengegend verpasst. Ein stechender, sehr unfreundlicher Schmerz
zwang ihn in die Knie. Und die Überraschungen wollten einfach nicht aufhören, als die Prinzessin,
mit Händen wie Schraubstöcken sein Gesicht packte, um ihn an sich zu ziehen und ihn mit schrecklich
feuchten, schwammigen Lippen zu Küssen.
Dieser Kuss schien ewig zu dauern, aber nicht auf die romantische Art und Weise.
Als dieses Grauen dann doch endete und alle Zungen wieder da waren, wo sie hin gehörten durfte Rattenknochen gnädigerweise
wieder atmen und reden.
"Ähm... Eure Hoheit, ich fühle mich ja sehr geehrt wisst Ihr. Eine Frau von Eurem... Format und so... Aber
ich habe ehrlich gesagt zu Hause noch eine Suppe auf dem Herd stehen und die brennt sicher schon an,
also wenn Ihr die Güte hättet mich ähm... nach Hause gehen zu lassen ."
Ein kehliges Lachen war zu hören.
"Ach du bist süß. Das hier ist dein neues zu Hause. Wir werden hier zusammen glücklich und viele Kinder
wirst du mir schenken."
Übelkeit kroch die Kehle des jungen Mannes hoch. Er stand wieder ganz auf und rieb sich die
geboxte Stelle, auch um zu sehen, ob alles noch an Ort und Stelle war.
"Ich ähm... ich freue mich drauf... Eure Hoheit...", er musste Zeit schinden, um sich einen Fluchtplan aus zu denken.

Fortsetzung folgt...
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mi 25. Nov 2009, 02:10

Wie sich herausstellte hatte die Koboldprinzessin keine Witze gemacht, als sie Rattenknochen durch das Schloss
führte (wobei er sich sehr oft den Kopf stieß) kamen sie auch an der Küche vorbei, wo ein eifrieger
Konditor sich bereits an die Hochzeitstorte machte. Das frisch verlobte Paar musste drei Stunden für die
kleinen Zuckerpüppchen an der Tortenspitze Modell stehen. Aufgrund der niedrigen Decke in der Küche bekam
die Bräutigamzuckerpuppe wahrheitsgetreu einen kleinen Buckel. Die Prinzessin fand das nicht schlimm,
symbolisierte es doch, wie er sich ihr in der Ehe annähern würde.
Sämtliche Fluchtversuche schlugen fehl. 'Ich muss mal auf Klo' brachte nichts, denn nach Meinung
der Prinzessin ging ein richtig verliebtes Päärchen auch dort gemeinsam hin. Nun hatte Rattenknochen
nicht nur Angst vor den Ehepflichten mit dieser Frau, sondern auch vor kronischer Verstopfung.
'Ich geh mal eben Kippen kaufen, bin gleich wieder da', hatte ebenfalls keinen Erfolg, denn die Prinzessin
war Kettenraucherin und hatte welche bei sich. Den vorgetäuschten Ohnmachtsanfall wollte Rattenknochen
erst garnicht ausprobieren, aus Angst vor Wiederbelebungsmaßnahmen der Verlobten.
Doch dann bot sich ihm eine Möglichkeit, die schon viele arme Männer vor einer zu langen und zu festen
Beziehung gerettet hat. Die Schwiegereltern.

"So einen jämmerlichen, abgerissenen Bauern schleppst du mir hier an ?", schimpfte der Koboldkönig und
seine kleine Krone fiel ihm dabei fast vom Kopf.
Er war ein wirklich kleiner, kugelrunder blauer Kerl mit schrecklich hervorstehenden Augen. Jedenfalls
schienen sie ihm fast aus den Augenhöhlen zu fallen, wenn er rumbrüllte, was er den ganzen Tag tat.
Aufgrund der starken Belastung der Stimmbänder lutschte er die ganze Zeit Hustenbonbons.
Sein Atem war schrecklich frisch.
"Aber Pappilein, ich liebe ihn ! Ich will ihn heiraten, jawohl, nur ihn !", die Prinzessin konnte ihn
mit ihrer 'einprägsamen' Stimme sogar noch übertönen.
"Ach Kind, schau ihn dir doch an. So ein langer, dürrer Kerl. Keine Muskeln, eine ungesunde
Hautfarbe, glasige Augen, fettige Haare. Der sieht so dumm aus, dass ich ihm nichmal zutrauen
würde, dass er seine Schuhe richtig zubinden kann !"
Die Tatsache, dass Rattenknochen Schuhe ohne Schnürsenkel bevorzugte hatte einen anderen Grund... wirklich.
"Und dann sieh dir nur mal an, wie er sich anzieht... der Kerl trägt ein Kleid !"
"Eine Robe... es ist eine Robe...", warf Rattenknochen berichtigend ein, wurde aber überhört.
"Pappilein, ich will ihn aber, die anderen Männer hier öden mich an. Er ist etwas besonderes, ich liebe ihn
aus ganzem Herzen", um ihre Worte zu unterstreichen packte sie ihn bei der Hand und zog ihn brutal
zu sich herrunter.
Der König wurde tatsächlich etwas rot und an seinem Hals pochte eine große Ader, als seine Tochter
den armen Zauberer leidenschaftlich küsste.
"Ich verbiete es !", brüllte der König, das Hustenbonbon aus seinem Mund flog davon und schlitterte über den
Boden des Thronsaals. Sofort kam ein Diener, hob es auf und steckte dem König ein neues in den Mund.
Auf einen Wink hin eilten zwei blaue Kerle, Marke Türsteher auf den noch immer an der Prinzessin klebenden
Rattenknochen zu, packten ihn und entrissen ihn ihr. Als er sich gerade bedanken wollte, brüllte der König auch
schon wieder los.
"So etwas erlaube ich nicht ! Und ich erlaube diese Ehe nicht !", und dann kam der Satz, den wohl
jeder von einem wütenden König erwartet.
"Werft ihn in den Kerker ! Und zeigt ihm, was es bedeutet mein armes kleines Mädchen so schändlich zu verführen."
"Aber... ich habe nie... ich würde nie... aber das ist doch ein großes Missve-", niemald ließ ihn ausreden.
"Pappilein ! Er hat mein Herz auf edle Weise erobert !"
"Ich habe n-"
"UND wenn du ihm was antust... dann werde ich nicht mehr mit dir sprechen !", mit diesen Worten drehte sie sich um
und stapfte hinaus, wie ein bockiges, kleines Kind mit einem schrecklichen Sinn für Dramatik.

Der König ließ es darauf ankommen und der Zauberer wurde kurzerhand wieder in die wäschekorbgroße Kerkerzelle geworfen.
Dort war er vielleicht nicht sicher vor Rückenschäden, aber wenigstens vor der Prinzessin. Gerade wollte er sich dran
gewöhnen, da machte er auch schon Bekanntschaft mit dem Foltermeister des Koboldkönigs und dem Rattenhelm.
Nach drei Stunden und einer sehr langen Erklärung des Foltermeisters, wie schwer es gewesen war den Rattenhelm
zu erweitern, so dass er auch einem Menschen passte wurde er wieder in sein Loch geworfen.
Oder besser gesagt, zur Hälfte rein gestopft, denn der König erwartete ihn dort.

"Du hast also bekanntschaft mit dem Rattenhelm gemacht ja ?", eine sinnlose Frage, wenn man den Zustand des armen Zauberers
betrachtete. Er konnte weder mit Worten, noch mit einem Nicken zustimmen, was egal war, denn er hatte eh nur die Hälfte
des Satzes hören können. Ein Eimer Wasser wurde in sein Gesicht geschüttet, um seine Aufmerksamkeit zu steigern,
ein paar Stockhiebe auf den Rücken sollten dabei unterstützend wirken.
"Ich werde dir erlauben meine Tochter zu heiraten."
Panik kroch so sehr im jungen Mann hoch, dass er ein paar Worte raus brachte.
"Bei Io nein !", aber in dieser Geschichte werden seine Worte konsequent nicht beachtet.
"...du darfst meine Tochter heiraten. WENN du dafür etwas für mich machst. Ich habe gehört du
seist Zauberer. Und zufällig brauche ich einen Zauberer." Künstlerische Pause.
"Meine Frau, die Koboldkönigin... sie wurde in eine Gipsstatue verwandelt, durch einen Fluch.
Du sollst jetzt einen Weg finden sie zu befreien. Ich gebe dir dafür zwei Tage. Wenn du es nicht schaffst
werde ich dich hinrichten lassen. Wenn du es schaffst heiratest du meine Tochter. Was sagst du dazu..."
Das war die bis dahin schwerste Entscheidung, die er fällen musste. Sterben oder die Koboldprinzessin heiraten.
Gerade, als er sich entschieden hatte, nickte der Koboldkönig auch schon.
"Gut, gut... dann bringt ihn jetzt in die Bibliothek, dort steht die Königin und dort sind auch
alle magischen Bücher, die wir haben. Alle unsere Zauberer, die versagt haben sind bereits tot. Du
hast zwei Tage !"

Als er allein in der Bibliothek war und die Königin betrachtet hatte (die aussah wie etwas, was sich Leute
ohne Geschmack in den Vorgarten stellen) wusste Rattenknochen gleich, dass er keine zwei Tage brauchen würde
um sie zurück zu verwandeln. Denn nach gründlicher Untersuchung fand er einen Zettel, der in der
Königin steckte, sie hatte ein Loch im Unterboden und war innen hohl.
Darauf war fein säuberlich zu lesen:

"Mein Lieber Mann, Koboldkönig

ich hoffe dir geht es gut. Meine Reise neigt sich dem Ende zu und ich wollte
dich nochmal daran erinnern, dass du mich bitte vom Hafen abholst.
Damit du daran denkst habe ich diese Nachricht in eine Statue von mir gesteckt.

In Liebe
die Koboldkönigin.

p.s. solltes du mich schonwieder vergessen ab zu holen, verlasse ich
dich und suche mir einen jüngeren."

Fortsetzung folgt...
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mo 30. Nov 2009, 17:58

Falls man jetzt denkt, Rattenknochen wäre überrascht gewesen, hat man sich geirrt. Tatsächlich
wäre ihm nie in den Sinn gekommen, dass alles gut werden würde. Bis zu einem, mehr oder weniger
erfreulichen 'Happy End' stand für ihn schon immer ein Eimer mit Schmerz bereit. Jedenfalls wurde
ihm so die Frage ab genommen, ob er den Tod oder die Ehe wählen würde.
Aber, immerhin war er in einer Bibliothek und er war Zauberer. Natürlich hatte er schon gemerkt,
dass irgendwas mit dem magischen Feld in dieser Welt nicht stimmte. Es fühlte sich anders an, irgendwie
wie Vanillepudding mit Pfeffersoße. Sich durch Zauberei hier zu befreien war also nicht möglich.
Doch ein Zauberer in einer Bibliothek, egal in was für einer, ist wie ein Pyromane in einer
Feuerwerksfabrik. Irgend ein Buch würde ihm hier schon raushelfen, also suchte er die elend langen
Regale ab. Von A bis K fand er nichts sonderlich interessantes, 'Ausbrechen für Dummköpfe',
'Abhauen leicht gemacht' oder 'Knastausbruch in drei einfachen Schritten' halfen ihm sicher nicht weiter.
Aber bei L, fand er etwas interessantes. Ein Buch, das ihm helfen würde die beiden Wachen vor der Tür zu
beseitigen.
Legenden sagen, dass dieses Buch einst von einem berühmten Feldarzt in einer Schlacht geschrieben wurde,
als dieser in einer ernsten Bredouille steckte. Ihm waren der Alkohol und die Beisshölzer aus gegangen
und es waren noch viele Gliedmaßen zu amputieren.
Es entstand das "Liber Narkotika". In Wahrheit nur ein dickes Buch voller leerer Seiten, das Geheimnis
des Buches besteht aber im schweren Eisenbeschlag. Er griff also nach diesem Meisterwerk, als die Tür zur
Bibliothek sich öffnete und die Koboldprinzessin reinplatzte, um auch gleich auf in los zu stürmen.
Einem Tritt gegen seine Knie konnte er ausweichen, den Schlag nach weiter oben sah er aber nicht vorraus.
Er knickte ein und bekam einen dicken, feuchten Damenbartkuss.
"Keine Sorge mein Liebster, ich bring dich hier raus, ganz schnell", hauchte sie ihm ins Ohr. Der arme
Rattenknochen konnte nur kurz jammern.
"Folge mir !", flüsterte die Prinzessin, griff grob nach seiner Hand und zog ihn hinter sich her
in eine kleine Ecke. Dort schob sie ein Bücherregal mit erstaunlicher Kraft zur Seite und es zeigte
sich ein dunkler Tunnel.
"Da schau, den hab ich als Kind immer benutzt, wenn ich Hausarrest hatte. Hab mich dann immer
mit Jungs getroffen..."
"Die armen...", keuchte der Zauberer, wurde aber schon in den Tunnel gezerrt.
"Er führt uns hinaus, von dort fiehen wir gemeinsam in deine Welt..."
"Aber ich will n-"
"...und da werden wir heiraten und viele viele Kinder bekommen..."
"Ich will wirklich ni-"
"...aber nicht nur das. Wir werden uns lieben, Tag ein, Tag aus..."
"Gnade bitte !"
"...glücklich zusammen, bis das der Tod uns scheide."
"Darf ich nochmal mit dem König reden ?"
Er wurde überhört und musste sich dann durch ein viel zu kleines Loch zwängen. Aber nach ein paar Tritten
und ausgerenkten Gliedmaßen waren sie frei.

Nun standen sie draussen und dachdem die Prinzessin ihrem Geliebten die Knochen wieder eingeränkt hatte
konnte er sich auch umsehen. Es war Nacht, obwohl alles in einer unterirdischen Welt zu sein schien. Das 'Tageslicht'
kam wohl von all den seltsamen Pilzen, die sonst gelblich grün leuchteten. Jetzt schwirrten nur millionen
von Glühwürmchen am dunstigen Himmel und bildeten eine art Sternenhimmel. Rattenknochen hatte Angst vor dem, was jetzt
unweigerlich passierte.
"Och wie romantisch", quietschte die Prinzessin.
Doch diesmal war er vorbereitet, hielt sie von sich und stotterte.
"Ähm..äh... ja, natürlich, da hast du recht... aber wir sollten erst von hier verschwinden, dann können wir ja immernoch..."
Er wagte es nicht es aus zu sprechen.
Sie strahlte ihn an, knöpfte ihr Oberteil wieder zu, packte seine Hand und zerrte ihn in die Nacht hinaus.
Glücklicherweise kannte sie einige Schleichwege, sie erklärte, dass sie sie in ihrer Jugend benutzt hatte um
sich mit Jungs und Männern zu treffen. Das erklärte auch, warum die Schleichwege hauptsächlich an Schlafzimmerfenstern
vorbei führten. Irgendwann standen sie wieder auf dem Marktplatz, beim Brunnen.
"Hier bist du doch raus gekommen oder ?", fragte sie.
Rattenknochen nickte nur, er hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie er da wieder durch kommen sollte.
"Gut, dann gehen wir da jetzt zusammen durch. Zeigst du mir deine Welt ?"
Wieder nickte er nur, der Gedanke an diese Frau und eine Ehe mit ihr erfüllten ihn mit Grauen. Die Stille der Nacht
wurde durch laute Rufe und Fußgetrappel unterbrochen. Anscheinend wurden sie schon gesucht und die Häscher waren nahe.
"Wir müssen uns beeilen", flüsterte die Prinzessin. "Na los, zauber uns in deine Welt... dort werden wir glücklich
für immer..."
Dem Zauberer blieb nur eine Wahl, er musste es tun.
Langsam kniete er sich vor sie und sah ihr tief in die Augen, sie gab ein schrilles Seufzen von sich. Die Glühwürmchen
glänzten heller am Himmel, als er sie küsste. Und ihr dann das 'Liber Narkotika' kräftig über den Schädel zog.
Sie hauchte noch ein "ich liebe dich... für immer..." und sank dann bewusstlos zu Boden.
Die Wachen kamen näher, sahen ihn jetzt und rannten auf ihn zu. Was blieb ihm also anders übrig, er holte tief Luft
und sprang in den Brunnen.

Wasser umschloss ihn, es rauschte in seinen Ohren. Schwärze und Kälte umgab ihn und ein letzter Lebenswille
zwang ihn dazu, auf das Licht zu zu schwimmen...

Ende... ?

Das war diese Geschichte... andere könnten folgen ;)
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mo 4. Jan 2010, 20:30

Rattenknochen und der Weltraumhut

Wie hat Rattenknochen seinen tollen spitzen Hut bekommen ? So einen gibt es nicht im Laden um die Ecke zu kaufen...

Irgendwo, irgendwann hing ein alter Mann an einer Klippe.
Blitz und Donner, vom schwarzen Himmel gesandt umspülten den Felsen wie die Wellen des Meeres. Regen peitschte hernieder und machte den Stein rutschig, immer wieder glitt er mit den zittrigen Fingern ab, konnte sich gerade noch mit einer Hand fest halten. Windböen rissen an ihm und schienen seinen Absturz lachend erwarten zu wollen. In unmittelbarer Entfernung schlug ein Blitz ein, tauchte alles für einen kurzen Moment in ein helles Gleissen.
Das Gesicht des alten war grimmig, über ihm starrte dunkel eine große Gestalt.
"Noch einen letzten Wunsch alter Mann ?", keuchte die Gestalt heiser...

Woanders und etwas früher schien die Sonne in Ankh-Morpork, es war ein wirklich guter Tag
und ein Zauberer latschte in ausgetretenen Schnabelschuhen über das dreckige
Straßenpflaster.
Wie hätte er denken können, dass er gleich sterben sollte, vor allem, da er es selbst als
Zauberer nicht vorher gesehen hatte.
Doch kurz bevor der Assassine ihm den Dolch zwischen seine Rippen stoßen konnte
riss die Realität ein und verschluckte den Zauberer...

Wieder ganz woanders und noch etwas früher saß ein Mann in einem Schaukelstuhl. Die Beine
hatte er überschlagen, er war in tiefe Gedanken versunken. Ein Buch lag auf seinem Schoß,
aufgeschlagen auf Seite 33. 'Kapitel 2: temporale Anomalien und ihre Auswirkungen'...

In einem Palast aus Glas bekam jemand Kopfschmerzen...

Fortsetzung folgt
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Sa 23. Jan 2010, 17:44

Die Gegenwart, jedenfalls das, was Rattenknochen für die Gegenwart hielt bot einen bunten und verführerischen Anblick. Es duftete nach Honig, Karamell und Schokolade.
Der Besitzer des Süßigkeitenladens, übrigens ein sehr sauer drein blickender, dürrer Kerl trommelte ungeduldig mit den Fingern auf der Ladentheke. Das einzige, was er mehr hasste, als Kinder in seinem Laden waren Zauberer.
„Ich weiss nicht so recht...“, Rattenknochen war unentschlossen. „Das da... ist das mit Nüssen ?“
„Nein, Herr. Ist mit Kirschfüllung, steht auch da, wenn ich dich darauf hinweisen darf.“
Der Zauberer wog den Kopf hin und her.
„Obst ja ? Das macht nur krank und schwach... ich nehme lieber die Zuckerbomben und die Karamellberge... mit extra Zucker.“
Es war ein klebriges Frühstück und ein guter Start in einen guten Tag. So dachte jedenfalls Rattenknochen, denn heute hatte er frei und musste nicht in die Universität, also konnte er sich ganz
seinen Freizeitgelüsten hin geben und musste sich um kein Zaubererzeug kümmern.
Die Ladentür schloss sich klingelnd hinter ihm, mit einem wohligen Seufzen wischte er sich die
zähen Überreste vom Mundwinkel. Der Ankh schickte stinkenden Nebel, wie Qualm durch die Straßen. Man konnte nur ein paar Schritt weit sehen, also machte er sich auf, um in die Universität zu gehen. Er würde sich dort ein paar Bücher mit Schweinkram ausleihen, einen Kakao trinken und den Tag auf dem Klo verbringen. Ja, es versprach ein sehr guter Tag zu werden. Wäre da nicht der alte Mann gewesen, der ihn von Hinten packte und ihm den Mund zu hielt.
„Kein Laut, Rattenknochen. Und versuche ja keinen Zauber, ich muss mit dir reden. Aber nicht hier“, keuchte der alte.
Ein Hauch von Furcht kroch im jungen Zauberer hoch. Das war kein gewöhnlicher alter Mann, der ihn da fest hielt, er strömte einen Geruch von Macht aus (neben dem starken Geruch nach Tabak, Fusel und dem typischen 'alte Leute' Geruch). Also fügte er sich, für den Moment.
Der alte führte ihn in die Schatten, den gefährlichsten Teil der Stadt, wenn man mal von einigen Orten in der Universität absah. Sie sprachen kein Wort und begegneten niemandem auf der Straße, der dunstige, nach Kohl und verschiedenen Fäkalien stinkende Nebel lud auch nicht sehr für einen Spaziergang ein. Dann erreichten sie ein kleines, verlassenes Haus, der alte Schloss die Tür auf, trat ein und zog den jungen Mann mit sich.
Die Tür schloss sich schwer hinter ihm und ein leichtes, oktarines Flimmern verriet, dass sie magisch versiegelt wurde. Sofort fielen ihm auch die, mit Kreide gezeichneten Symbole an den Fenstern und Wänden auf. Das Haus war gegen Einbrecher und Zauber geschützt. Als der alte ein paar kleine Lampen anzündete vertrieb das laue Licht die Dunkelheit und zeigte eine schreckliche Unordnung. Überall lagen Papiere, Bücher, Essensreste, haufenweise Kippenstummel und Schnapsflaschen rum. Das Sofa in der Mitte des Raums war halbwegs frei und ihm wurde befohlen sich zu setzen.
„Du kannst jetzt wieder reden“, brummte der alte Mann, der offensichtlich ein Zauberer war. Ein Kloß ihm Hals löste sich, Rattenknochen hatte noch nicht gemerkt gehabt, dass ein Stillezauber auf ihm lag. Er hatte es also mit einem Zauberer zu tun, doch es war keiner, den er kannte.
„Was bei allen Göttern soll das hier ?“, fing er gleich an und musterte den alten.
„Und wer bist du ?“
Langsam setzte sich der Entführer neben ihn, musterte ihn aus graugrünen, trüben Augen.
„Ich bin viel zu früh gesprungen. Drei verdammte Jahre musste ich warten“, nuschelte er.
Den fragenden Blick des Jungen Zauberers belohnte er mit Schweigen und fing dann doch an zu erklären.
„Mein Name ist... Jarym... ich bin Zauberer. Und ich bin gekommen, um dir zu helfen.
Ich weiss, du hast noch nicht so viel Ahnung davon, aber ich komme aus der Zukunft. Und ich muss dir sagen, du bist in Gefahr.“
Die kurze Pause, in der sich der alte eine Zigarette drehte und sich an machte nutzte Rattenknochen um sich das, was er über Zeitreisen gelernt hatte in Erinnerung zu rufen. Es war nicht sehr viel.
Ein paar zittrige Züge an der Kippe später setzte Jarym seine Erklärung fort.
„Jemand ist hinter dir her. Ein Attentäter aus einer nicht ganz so weit entfernten Zukunft. Oder besser einer anderen Zeitlinie will dich töten für etwas, was du in deiner Zukunft tun wirst. Er ist gefährlich und irre. In meiner Zukunft hat er versucht mich um zu bringen, er will sich etwas wichtiges aneignen. Er ist aber, oder wird, besser gesagt, aber scheitern und hat sich desswegen auf den Weg gemacht um dich daran zu hindern das, was er will zu bauen.“
Rattenknochen starrte den alten nur an, das war so verwirrend, unwahrscheinlich und an den Haaren herbei gezogen, dass es einfach nur wahr sein musste.
„Und... was ist das, was er will ? Ich habe nicht vor etwas zu bauen, weisst du ? Ich meine... ich bin Handwerklich so begabt wie ein einarmiges Wiesel.“
Jarym seufzte, rieb sich mit der Hand über das Gesicht.
„Du bist wirklich nicht sehr Clever oder ? Ach das kannst du ja auch alles noch nicht verstehen. Natürlich werde ich dir zeigen, wie man das baut. Du brauchst es, es ist wichtig.“
„Warum willst du mir helfen ? Wir kennen uns doch nicht !“
„Hmpf, sagen wir mal. Du bist wichtig für mich.“
„Bist du mein Opa ?“
Jaryms Mund klappte auf, wieder zu und dann gab er dem jungen Rattenknochen einen heftigen Klaps auf den Hinterkopf.
„Man bist du dumm. Ich bin natürlich nicht dein Opa. Verdammt, du hast wirklich nur geschlafen in der Universität oder ? Ach natürlich hast du das, sonst wärst du nicht so ein Blödmann. Dein Opa... meine Güte, so alt bin ich auch wieder nicht.“

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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mi 27. Jan 2010, 22:26

In den folgenden drei Tagen scheuchte Jarym den jungen Zauberer durch die halbe Stadt um 'Materialien' zu suchen. Es war eine absurde Liste von Dingen. Mal musste er zu einem Uhrmacher, mal zu einem Schneider (ja zu einem richtigen... mit Nadel und Faden und so), dann ging es zu einem Fleischer, dann zu einem Kostümverleih, wieder zum Uhrmacher, zum Schlosser, Schreiner und sogar einmal zu einem Typen, der seinen Laden in einem Mantel hatte, den man sonst nur bei seltsamen Männern im Park sieht. Es sammelte sich haufenweise Zeug an, langsam glaubte Rattenknochen Jarym sei eine zu große, saufende und fluchende Elster. Doch der alte beteuerte, dass er kein Nest bauen wollte.
Am dritten Tag musste Rattenknochen sich in die Universität schleichen und einige sehr teure Geräte und 'Werkstoffe' klauen, auf denen Sätze wie „Forsicht, Lebensgefar !“, „Achtunk Stralung !“, „Nicht schütteln !!!“ oder „Könnte Nüsse enthalten“ zu finden waren. Auf einigen waren sogar alle zu lesen.
Natürlich war es dumm irgend einem fremden, der behauptete aus der Zukunft zu kommen solche Dinge in die altersfleckigen Hände zu geben. Aber Rattenknochen war einfach zu neugierig (ausserdem hatte der alte so einen Blick drauf, der keine Wiederworte erlaubte).

Nachdem er ein großes, tickendes und schlurfendes etwas mit vielen spitzen Winkeln aufgestellt hatte fragte er doch mal nach.
„W-“, doch er kam nicht zu Wort.
„Jetzt können wir anfangen, wir haben alles. Na los setz dich und schau zu. Ich war nicht untätig
und habe schon angefangen.“ Fuhr ihm Jarym ins Wort und zeigte etwas hoch, was wie das Drahtgerüst eines Hutes aussah.
„Weisst du, was das ist ?“, fragte er Rattenknochen, der so eine Ahnung hatte.
„Ein... Hut aus Draht ? Du musst wissen die neusten Forschungen haben ergeben, dass ein Hut aus Alufolie viel besser gegen Gedankenkontrolle und Weltraumstrahlung hilft.“
Ein Seufzen war das einzige, was Jarym darauf antwortete, nach einem Augenrollen deutete er auf das Gerüst. Es bestand aus Silberdraht und war sehr fein und geschickt mit dünnem Kupferdraht umwickelt, aber noch mehr, um den Kupferdraht war ganz dünn Goldfaden gewickelt worden. So eine feine Fummelarbeit hätte er dem alten Mann mit den zittrigen Händen nicht zugetraut.
„Das sieht aus wie-“
„Es ist ein Megaleiter für gewisse Spannungen“, brummte Jarym ihm ins Wort, wahrscheinlich weil er nicht wollte, dass Rattenknochen wieder irgend welchen Blödsinn erzählte.
„Er bündelt sich in der Hutspitze, die Energie wird von der Krempe aus hinein geleitet...“
Rattenknochen nahm das Drahtding in die Hand und begutachtete es. Ein wenig hatte er schon aufgepasst und nicht nur mit der Magie rumgespielt.
„Dann entsteht ein Vortex, wenn die Energie stark genug ist und man sich nicht die Kopfhaut abfackelt“, schlussfolgerte er.
Der alte nickte und legte ein schwaches Lächeln auf, kurz wirkte er in Erinnerungen versunken, blinzelte und richtete dann wieder das Wort an den jungen.
„Richtig. Genau das soll passieren...“
„Das ich mir die Kopfhaut abfackle ?“
Er bekam mal wieder einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Gerade dachte ich du wärst zu was nutze du Blödmann. Natürlich um einen Vortex zu bilden. Aber erst müssen wir noch den Reaktor bauen, der die Quantensingularität bildet... wenn du Dummbob Hohlkopf überhaupt verstehst was ich hier sage.“
Rattenknochens Augen weiteten sich und er erinnerte sich an etwas, was ein recht irrer Zauberer in der Universität an eine Tafel geschrieben hatte, auf der seit etwa hundert Jahren stand 'bitte nicht abwischen, bin nur kurz Kaffee holen'.
„Du willst doch wohl nicht etwa...“
Jarym nickte und ein breites Grinsen zeigte sich in seinem Gesicht.
„Oh doch... das will ich...“

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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mo 12. Apr 2010, 12:13

Inzwischen war es Nacht geworden. Es war die Zeit der finsteren Gesellen. Diebe schlichen umher, Vampire und Spanner hingen an den Schlafzimmerfenstern von hübschen Jungfrauen, kleine Jagdverbände von den intelligenten Ratten, die in den Müllbergen bei der Universität lebten flitzten hinter panischen Katzen her und ein einsamer Bettler suchte im Abfall der Reichen nach etwas essbarem. Plötzlich blitzte es, mitten auf der Straße. Ein Kugelblitz erschien, knistern und dampfend und er wuchs an. Wie es bei solchen Szenen immer der Fall ist lief der Bettler natürlich nicht vor dieser Gefahr weg, nein er ging näher und starrte. Und er starrte noch mehr, als ein nackter Kerl in der Kugel erschien. Die Blitze verzogen sich, der nackte, kniende Mann richtete sich langsam auf. Er trug einen Hut, sonst nichts. Die Nacht beruhigte sich wieder
und für eine kurze Zeit starrten sich der Bettler und der nackte an. Eine unheimliche, dunkle Stimme kroch aus der Kehle des Hutträgers.
„Gib mir deine Sachen !“

Rattenknochen und Jarym hatten es schon so gut wie geschafft. Die Nachbarn beschwerten sich über seltsame Geräusche, Lichter und, dass Flimmern einer zu weit ausgedehnten Realität. Der ganze Häuserblock war auf einmal doppelt so groß, wie sonst, wobei er aber nur den halben Platz in der Stadt einnahm. Das führte zu einigen Verwirrungen. Natürlich beeilten sich die beiden Zauberer diesen Zustand nicht allzu lang andauern zu lassen, man sollte ja nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen. Jarym quasselte auch ständig davon, dass man sie verfolgen würde, Rattenknochen hielt ihn einfach nur für etwas bekloppt und paranoid, hatte aber zu viel Angst vor seinem Rumgebrülle um das laut zu sagen. Alles in allem war die Arbeit mit dem alten Kerl eine Qual. Und irgendwann hatte Rattenknochen das Bedürfnis ihm etwas schweres auf den Kopf zu schlagen.
„Wir kommen gleich an die kritische Stelle...“, fing Jarym plötzlich an und unterbrach sich dabei selbst im Redeschwall über die guten alten Zeiten.
„Wenn wir hier nicht aufpassen, dann ist alles umsonst und es gibt eine große Katastrophe.“
Das war sicher wieder nur so ein Gebrabbel, was der alte ständig von sich ließ, so dachte Rattenknochen. Zwischen all dem Gemeckere, dem Gefluche über die Jugend und den Reden über früher redete er immer von postapokalyptischen Weltuntergangsdingen.
Jarym stutzte, klopfte seinen, für Rattenknochens Geschmack sehr modischen Mantel und seufzte.
„Aber erst einmal. Ich geh mir mal Kippen holen. Warte hier und mach nicht ohne mich weiter !“
Das war vielleicht endlich mal eine Erholungspause, als der alte hinaus ging. Gleich schien die Welt viel ruhiger, selbst neben den surrenden, quitschenden, blubbernden und seltsam leuchtenden Unmöglichkeiten, die rings um ihn aufgebaut waren.
Trotz seines offensichtlich instabilen geistigen Zustandes, schien Jarym ein Genie zu sein. Das meiste von dem, was sie da bauten verstand Rattenknochen nicht. Da waren Dinge, die er kannte und Dinge, die ihm vollkommen schleierhaft waren. Aber es sollte wohl ein Hut werden. Nicht mal die Götter wussten wohl, was das für ein Hut war, aber Rattenknochen konnte erahnen, dass es ein Hut war, gegen den der Hut des Erzkanzlers wie eine Strickmütze aussah.
Als die erste Stunde vergangen war, machte sich der junge Zauberer ein wenig Sorgen. Vielleicht war der alte nur nochmal aufs Klo gegangen. Nach der zweiten Stunde war Rattenknochen eingeschlafen. Nach der vierten wieder wach und als Jarym dann immer noch nicht da war, wusste er, dass irgendwas nicht stimmte. Er musste los ziehen und ihn suchen, die Sonne ging schon auf. Aber er konnte das Projekt nicht einfach so allein lassen. Wer Zauberer kennt, der weiß, dass sie in so einer Situation nicht einfach die Tür fest zuschließen und hoffen, dass niemand ins Haus geht. Zauberer setzen sich über alle Warnungen hinweg und bauen das gefährliche apokalyptische Gerät selbst zu fertig. Und da Zauberer auch noch prall gefüllt mit Ego sind, hatte Rattenknochen auch nicht die kleinste Befürchtung, dass er nicht in der Lage sein würde das Ding zu vollenden. So machte er sich ans Werk, wie ein Mann, der seiner Frau beweisen will, dass er das komplizierte neue Regal auch ohne den kostenlosen Zusammenbauservice zum stehen bringt. Wieder funkte und blitzte es, einmal war Rattenknochen für einige Minuten blind, dann war er für wenige Sekunden ein Flamingo und ein Reisekoffer gleichzeitig und die Realität knirschte ab und zu bedenklich. Dann schien er fertig zu sein. Und wie das bei solchen Aktionen immer ist, eine Schraube war übrig...

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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Fr 23. Apr 2010, 18:37

Jarym war verschwunden, das war klar, doch wo sollte man den alten Knacker suchen ? Die Stadt
war groß und sehr unübersichtlich, wenn man etwas bestimmtes suchte. Oft fand man nur das,
was man nicht gesucht hatte, meistens handelte es sich dabei um Ärger. Aber Rattenknochen war ja
nicht blöde. Jedenfalls, wenn man den Beschimpfungen Jaryms keine Beachtung schenkte. Ständig
hatte der alte Zauberer diesen schrecklichen Tabak gequalmt, der so furchtbar stank, dass nur
ein Geschäft in der Stadt in Frage kam, in der er ihn hätte kaufen wollen.
Es war ein kleiner, seltsamer Laden an den Ufern des Ankh. Der Besitzer, Gerüchten zu Folge ein
unehelicher Sohn von Schnapper, hatte eine eigene Tabakplantage hinter seiner Hütte, die gleichzeitig
auch sein Laden war. Das ganze Ankh-Aroma zog also in die Pflanzen, was dazu führte, dass nur
'spezielle' Kunden den Tabak kauften.
Und tatsächlich konnte Rattenknochen vor 'Schniefers Tabakkparadiehs' die deutlichen Spuren eines
Kampfes sehen. Schon fast zu deutlich wurde ihm eine Spur gelegt, der er offensichtlich folgen
sollte. Es war eine Falle. Er wusste das, doch ohne den alten ging es nicht weiter, also
musste er es riskieren. Außerdem war er neugierig darauf, wer ein Interesse haben könnte
freiwillig mit dieser schrecklichen Person Zeit zu verbringen. Selbst, wenn dieser gefesselt
und geknebelt sein sollte.
Die Spur endete vor einem verlassenen Lagerhaus, wie jeder weiss ein klassischer Ort, um
Leute gegen ihren Willen fest zu halten. Und wie jeder weiss gibt es immer einen Hintereingang.

Es war Mittag, die Sonne stand hoch am Himmel und wurde nur ab und zu von einer Wolke verdeckt.
Vom geschäftigen Treiben der Stadt bekam man dort, wo das Lagerhaus stand kaum etwas mit. Es
war ein vor einiger Zeit von der Unsichtbaren Universität aufgegebenes Gelände. Das Gras
wuchs in allen Regenbogenfarben und ein Naturforscher hätte seine größte Freude gehabt
einige neue und unbekannte Tierarten zu entdecken (z.B. das neunäugige Krokodileichhörnchen)
Aber sonst hielt sich der Ort mehr oder weniger an die Naturgesetze. Ein Zauberer aber wusste,
dass man hier besser nicht mit Magie rumwerkelt, das wäre, als würde man im Meer bei einer Ölpest schwimmen gehen und dabei Feuer spucken lernen.
Also musste Rattenknochen sich wohl auf seine gute Ausdauer, seinen Verstand und
seine Fähigkeiten verlassen, die er in der Armee gelernt hatte. Kurz gesagt, er war verloren.
Sein erstes Problem war in die Lagerhalle hinein zu kommen. Die Vordertür war abgeschlossen
und es lag kein Schlüssel unter der Fußmatte. Er musste also kreativ sein... und die Hintertür nehmen.
Stille begrüßte Rattenknochen, als er die unverschlossene Hintertür öffnete. Dunkelheit und
kühle, muffige Lagerhausluft strömt ihm entgegen. Kurz schrie der Hundespechtkatzenlurch hinter
dem jungen Zauberer einen Warnruf (oder vielleicht einen Paarungsruf, wenn es von dieser
Spezies jemals ein Weibchen gab). Die Stille beunruhigte ihn. Jarym musste eindeutig ohnmächtig
oder tot sein, denn sein ständiges Gebrülle und Gefluche hätte man selbst durch einen
Knebel laut vernommen. Mit klopfendem Herzen tat er den ersten Schritt und als sein Fuß
den Boden berühren wollte hielt er einen Moment inne. Als er begriff, dass dort kein
Boden war, sondern eine Fallgrube, stürzte er tief und es wurde Schwarz um ihn...

Als er wieder zu sich kam, war die Welt verkehrt herum. In seinen Ohren drückte und pochte es
und sein Kopf fühlte sich unheimlich schwer an. Für seinen Zustand erstaunlich schnell
bekam er mit, dass er geknebelt und gefesselt wie eine verpuppte Raupe an den Füßen
nach unten hing. Eine unangenehme Lage, in der man nur durch hin und her schwingen
oder sich um die eigene Achse drehen etwas Übersicht über die Umgebung verschaffen konnte.
Jarym hing neben ihm und starrte ihn mit einem Blick an, der mehr als tausend Worte
sagte. Er hatte einen Holzball im Mund, ein abfälliges Grunzen bekam er trotzdem raus.
Etwa drei Meter unter ihnen war eine interessante Apparatur aufgebaut, die wohl eine
Art Kettenreaktion, wie beim Dominospiel darstellen sollte. Der Auslöser war eine Kerze, die das Seil,
an dem die Beiden hängen durchbrennen sollte. Das Ende war dann wohl der große Bottich mit
blubbernder Säure, der unter ihnen dampfte. Dazwischen waren allerlei kreativ aufgebaute
Mechanismen, was die Funktion des Gummihuhns (mit Karabinerhaken) war konnte Rattenknochen
allerdings nicht identifizieren.
Eine Gestalt in einem schweren, schwarzen Mantel trat vor sie, betrachtete die Apparaturen und
richtete dann das Wort an sie.
"Ich hoffe es ist nicht zu unbequem", keuchte er mit einer heiseren Stimme, in der Wahnsinn
mit schwang.
"Aber das wird kein Problem sein, weil eure Fesseln sich in wenigen Minuten in der Säure
auflösen werden... ach... und ihr auch."
Er liess eine Pause, wahrscheinlich der Dramatik wegen.
"Ich habe aber noch zu tun und kann eurem Tod leider nicht beiwohnen."
Dann verließ die dunkle Person die Lagerhalle, sein finsteres Bösewichtlachen
konnte man noch hören, bis er die Tür geschlossen hatte.
Rattenknochen zappelte umher, versuchte die Fesseln zu lockern, doch sie waren zu fest gezogen. Er
hatte schon kaum noch Gefühl in seinen Gliedmassen. Die Kerzenflamme brannte sich unerbittlich
durch das Seil. Die Säure kochte und ihre Dämpfe machten den jungen Zauberer benommen.
Ein Schweisstropfen löste sich von seiner Stirn und fiel in den blubbernden Tod *zisch*...

(Fortsetzung folgt)
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Re: Rattenknochens junge Jahre

Beitragvon Rattenknochen am Mo 26. Apr 2010, 18:10

Die dunkel gekleidete Gestalt blieb nicht untätig. Sie marschierte durch die Straßen der Stadt zur
Unsichtbaren Universität und verschaffte sich Einlass. Natürlich waren die Zauberer überrascht
über den Eindringling, einige mehr, einige weniger. Aber es war nichts so unglaublich
ungewöhnliches, dass man das dritte Mittagessen dafür unterbrechen müsste. So kam der dunkel
gekleidete ungehindert bis in die unteren Kellergewölbe des Hauptgebäudes und bis in eine
bestimmte Kammer. Hätten die Zauberer gewusst, was der dunkle vor hatte... sie hätten ihn
(nachdem sie mindestens noch den Nachtisch gegessen hätten) doch mehr beachtet.

Ein Rattenfrosch sang ein Liedchen, das regenbogenfarbene Gras schimmerte im Sonnenlicht.
Und die Tür der Lagerhalle ging knirschend auf.
"Das war... interessant...", kommentierte Rattenknochen und sog die süßliche Luft der Freiheit ein.
Jarym nickte.
"Ich dachte wirklich du wärst nur ein alter, seniler Mistkerl... aber das..."
Jarym nickte erneut.
"Wie hast du... ach ich wills garnicht wissen..."
Jarym popelte sich etwas Tabak und Papier aus der Manteltasche und fing an sich eine Kippe zu drehen,
die hatte er sich nach dieser spektakulären Befreiungsaktion verdient.
Rattenknochen wischte die Reste des Puddings von der Schulter und schüttelte seufzend den Kopf.
"Sowas wird wahrscheinlich nie wieder jemand erleben... das war einmalig..."
Nach einem Zug an der Kippe schien Jarym gleich nicht mehr so blass zu sein und der alte streckte sich.
"Wir müssen los. Unser Gegner ist nicht doof und hat schreckliches vor."
"Das kann ich mir vorstellen", brummte Rattenknochen. "So diabolisch, wie er das Gummihuhn eingesetzt hat.
Er muss ein Genie sein !"
"Ein unglaublich gutaussehendes Genie", sabbelte Jayrm, als er los stapfte.
"Was ?"

Als die beiden vor der Universität standen hatte sich einiges verändert. Denn die Unsichtbare
Universität war es diesmal wirklich. Also unsichtbar. Dort, wo die großen Hauptgebäude standen
klaffte jetzt ein riesiges Loch und um alles waberte ein bläuliches Energiefeld.
"Bei allen Göttern, was ist denn hier passiert ?", Rattenknochen war schockiert, er hatte seine
Geldbörse in der Universität vergessen. Wenn die jetzt weg war !
"Verdammt, er hat es bereits getan, dieser Irre ! Der Hut, den du da auf hast... ist es der...", fragte Jarym.
Rattenknochen nickte nur und starrte auf das flimmernde Energiefeld.
"Hast du an dem rum gebaut ? Ihn fertig gemacht ?"
Wieder ein Nicken.
"Ich hab dir doch gesagt, du sollst die Finger davon lassen ! Aber nagut... das kann uns jetzt von Nutzen sein.
Aktiviere ihn. Aber nimm ihn vorher vom Kopf ! Und egal, was passiert, schau nicht hinein."
Wie es bei Zauberern nunmal so ist drücken sie erst den Knopf und fragen dann, was der eigentlich auslöst.
"Und was passiert wenn ich das mache ?"
Jarym packte Rattenknochen nur an der Schulter und zerrte ihn durch das Energiefeld, es prickelte kurz
und sie waren in der Universität. Eine Erklärung, was passiert war oder, was der Hut
mit der ganzen Sache zu tun hatte gab Jarym nicht von sich.
Vor ihnen erstreckten sich die Korridore der UU und dem aufmerksamen Beobachter fiel auch gleich etwas auf.
Die Zeit schien hier still zu stehen...

(Fortsetzung folgt)
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